Projektbeschreibung
Hintergrund
Nach neuesten Untersuchungen wird die Herzinsuffizienz als für das Gesundheitswesen stetig wachsendes Problem prognostiziert. Trotz erheblicher Erfolge der Herz- und Kreislaufforschung in Diagnostik und Therapie ist bis heute nur eine weitgehend symptomorientierte Therapie möglich. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass Frauen in den meisten bisher durchgeführten klinischen Studien unterrepräsentiert sind. Die Variable Geschlecht ("gender") wird nicht angemessen berücksichtigt. Eine geschlechtsvergleichende Perspektive ist notwendig, um Diagnostik, Versorgung und Therapie für Frauen und für Männer zu optimieren. Eine genderzentrierte Soziomedizin richtet sich auf beide Geschlechter sowohl in der Erfassung der medizinischen als auch der sozialen Einflussfaktoren der Erkrankung.
Zielsetzung
Genderspezifische Faktoren der Herzinsuffizienz sollen in ihrer Bedeutung sowohl für die medizinische Forschung als auch die Versorgung der Patientinnen und Patienten erfasst werden. Wenn Genderaspekte in der medizinischen und in der Gesundheitsforschung berücksichtigt werden, dann geschieht das bislang fast ausnahmslos mit Blick auf die Seite der Frauen. Diese Einseitigkeit wird in dem Teilprojekt durch die Integration von Männerforschung überwunden. In Kooperation mit anderen Teilprojekten wird das soziomedizinische Genderwissen sowohl der einzelnen Projekte als auch des gesamten Projektverbundes optimiert.
Umsetzung
- Der in den Teilprojekten vorhandene Bedarf an Genderwissen wird systematisch erhoben und ausgewertet. Der kontinuierliche interdisziplinäre Austausch wird Synergieeffekte für alle beteiligten Projekte erzeugen. Den Teilprojekten kommt die im Essener Kolleg für Geschlechterforschung institutionalisierte Gender-Kompetenz zugute.
- Auf der Basis einer Aufzeichnung und Auswertung von Anamnesegesprächen wird erfasst, in welcher Weise die Darstellung von Symptomen durch die Patienten/Patientinnen und deren Wahrnehmung durch die Ärzte/Ärztinnen in einer geschlechtstypischen Form erfolgt.
- Ein Jahr nach der Anamnese werden mit denselben Patientinnen und Patienten auf die Krankheitsgeschichte und die Therapie bezogene biographische Interviews geführt. In einer vergleichenden Analyse der Krankheitsbiographien von Frauen und Männern werden geschlechtstypische Unterschiede im Gesundheitsverhalten erschlossen.
Mehrwert durch Vernetzung
Das Teilprojekt generiert systematisch und durch die Verknüpfung mit den anderen Teilprojekten ein Wissen, das zentrale Eckpunkte der Krankengeschichte von betroffenen Frauen und Männern berücksichtigt. Damit sind qualitativ neue Ergebnisse zu erwarten. Die interdisziplinäre Verzahnung von Medizin, Soziologie und Pharmakologie trägt dem Problem Herzinsuffizienz mit seiner multifaktoriellen Komplexität Rechnung. Die medizinische Aus- und Weiterbildung kann um ein solides, empirisch fundiertes Genderwissen ergänzt werden. Das ermöglicht ein gendersensibles Einschätzen von Symptomen und damit eine Verbesserung der Behandlung der Herzinsuffizienz. Es werden neue Leitlinien für die klinische und ambulante Versorgung erwartet. Damit leistet das Teilprojekt einen Beitrag zur Entwicklung einer patienten-orientierten Forschung. In den Teilprojekten sind genderspezifische Aspekte zwar angesprochen, aber vielfach nicht methodisch und in den wissenschaftlichen Konsequenzen konkretisiert. Insofern ist das Gendering ein wesentlicher Faktor der Integration der Teilprojekte.

