Research >> SP11

Projektbeschreibung

Hintergrund

Die Mehrzahl aller - meist älteren - Patienten mit einer Herzmuskelschwäche wird durch den Hausarzt ihres Vertrauens betreut. Er ist in der Regel über viele Jahre die engste Kontaktperson. In einer 2002 veröffentlichten Studie wurde die ambulante Behandlung herzinsuffizienter Patienten durch Hausärzte in Deutschland und 13 weiteren Ländern untersucht ("IMPROVEMENT of HF"). Die Analysen zeigen, dass die ambulante Versorgung dieser Patienten in Deutschland Defizite aufweist und verbessert werden muss. Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien aus den USA bzw. Australien, in denen trainierte nicht-ärztliche "Study Nurses" oder "Case Manager" teilverantwortlich in der Patientenbetreuung mitwirkten, deutliche Verbesserungen der Behandlungsergebnisse.

Zielsetzung

Da diese Länder grundlegend andere Gesundheitssysteme haben, muss geprüft werden, ob bzw. wie solche innovativen Konzepte auch hierzulande erfolgreich umgesetzt werden können. Dieser Frage soll unter Alltagsbedingungen deutscher Hausarztpraxen im Rahmen einer wissenschaftlichen Praxisstudie nachgegangen werden (Berliner Praxis Team Studie "Chronische Herzinsuffizienz"). Insbesondere gilt es zu evaluieren, ob durch dieses neue Behandlungskonzept im Vergleich zu der bisher durchgeführten Standardtherapie die Lebensqualität herzinsuffizienter Patienten verbessert, die Anzahl der Krankenhausaufenthalte vermindert und die Sterblichkeit reduziert werden kann. Geschlechterspezifische Aspekte sollen hierbei von Anfang an besonders berücksichtigt werden.

Umsetzung

Die Studie zielt daher im ersten Schritt darauf, interdisziplinär eine wissenschaftlich abgesicherte (evidenzbasierte) und zugleich praxiserprobte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Herzinsuffizienz zu entwickeln. Bestandteil der Leitlinie, die sich an Hausärzte und betroffene Patienten richtet, ist die fachlich und organisatorisch abgestimmte Kooperation aller an der Versorgung beteiligten Fachkräfte. Auf der Leitlinie aufbauend wird ein neues Modell der ambulanten Versorgung - das sogen. "Case Management" entwickelt. Dieses beinhaltet den Entwurf eines individuellen Betreuungsplans für den Patienten, Patientenschulungen mit Befähigung des Patienten zum Selbstmonitoring, strukturierte Telefonkontakte und Hausbesuche sowie eine kontinuierliche Risikoeinschätzung. Insbesondere schliesst dieses Modell das Training der hausärztlichen Arzthelferinnen ein, um diese umfassende Betreuung der Patienten im Praxisalltag umzusetzen. Erstmalig auf seine Effekte geprüft wird dieses Modell in Berlin im Rahmen einer multizentrischen, randomisierten, prospektiven und kontrollierten Parallelgruppenstudie in 200 Praxen für Allgemeinmedizin.

Mehrwert durch Vernetzung

Die hier praktizierte Zusammenarbeit von Hausärzten, Kardiologen und Arzthelferinnen innerhalb des Kompetenznetzes Herzinsuffizienz bietet hervorragende Chancen, vorhandene fachliche Kompetenzen zu bündeln und so effektiv für die Verbesserung der Alltagspraxis zu nutzen. Insbesondere die Kooperation von Grundlagen- und hausärztlicher Versorgungsforschung ermöglicht moderne Strategien zu deren optimaler Umsetzung in die Alltagspraxis. Die Einbindung der Allgemeinmedizin in das Kompetenznetz Herzinsuffizienz ist von eminenter Wichtigkeit, da nur so sichergestellt werden kann, dass Forschungsergebnisse zu modernsten diagnostischen und therapeutischen Verfahren in einem angemessenen Zeitraum auch an die Basis der Patientenversorgung weitergegeben werden können und diese somit unmittelbar den Patienten zugute kommen.