Lebensqualität bei Herzinsuffizienz - Projektbeschreibung
Hintergrund
Die Lebensqualität von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz ist stark beeinträchtigt, viele Patienten leiden an komorbiden Ängsten und Depressionen. Dies stellt einen Risikofaktor für Schwierigkeiten bei der Einhaltung notwendiger Therapiemaßnahmen sowie für vermehrte Krankenhausaufenthalte und eine erhöhte Sterblichkeit dar. Bisher fehlen zuverlässige Informationen zur Lebensqualität und Depression im Krankheitsverlauf in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und der Versorgungsstruktur. Ansatzpunkte für Interventionen zur Verbesserung der Lebensqualität und adäquater Diagnostik und Behandlung einer depressiven Komorbidität sind kaum erforscht.
Zielsetzung
Erstmals erfolgte eine deutschlandweite, repräsentative und alle Patientengruppen berücksichtigende Erfassung der Lebensqualität sowie ein Screening auf Depression. Die Zusammenhänge und Verläufe von Lebensqualität, psychosozialen und somatischen Faktoren wurden bei ausgewählten Patientenkollektiven untersucht. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wurden Interventionen für Patienten mit stark beeinträchtigter Lebensqualität und depressiven Erkrankungen entwickelt. Zur Optimierung der Lebens- und Versorgungsqualität von herzinsuffizienten Patienten in der Hausarztpraxis wurden Schulungs- und Versorgungskonzepte für Hausärztliche Praxen konzipiert und evaluiert.
Umsetzung
Bis zum Ende der zweiten Förderphase konnten 12.000 Datensätze zur Lebensqualität und Depressivität von Patienten des KNHI erfasst werden. Eine Querschnittsuntersuchung der netzweiten Screeningdaten zur Depressivität wurde auf der Frühjahrstagung der DGK in Mannheim vorgestellt. Dabei konnten wir bestätigen, dass die objektiv messbare Einschränkung der Pumpfunktion des Herzens nicht mit dem Vorhandensein einer Depression assoziiert ist. Die Überprüfung dieses Befundes und die Analyse von möglichen Vorhersagefaktoren einer Depression anhand von Verlaufsdaten werden vorbereitet. Darüber hinaus führen wir Untersuchungen zu geschlechtsspezifischen Aspekten der Lebensqualität in Zusammenarbeit mit TP 13 und zur Depressivität HIV-positiver Patienten mit Herzerkrankung in Kooperation mit TP 9b durch.
Innerhalb des lokalen kardiologischen Forschungsverbundes HELUMA (Heidelberg, Ludwigshafen, Mannheim) konnte die HELPS-Studie mit über 350 Patienten abgeschlossen werden. Sie zeigte u.a., dass ein standardisiertes Screening von Depression und Lebensqualität die Diagnostik herzinsuffizienter Patienten sinnvoll und ökonomisch ergänzen kann (Holzapfel & Zugck et al., 2007, Psychosomatics). Weiterhin konnten wir zeigen, dass depressive herzinsuffiziente Patienten ein anderes Profil ihrer depressiven Symptome beschreiben, als depressive Patienten ohne Herzerkrankung, was ein Grund für die geringe Diagnoserate der Depression sein könnte (Holzapfel & Müller-Tasch et al., 2008, J Affect Disord). Jeder 10. Patient mit chronischer Herzinsuffizienz leidet außerdem unter den Symptomen einer Panikstörung (Müller-Tasch et al., 2008, J Psychosom Res). In der zweiten Förderphase wurde für Patienten mit manifester depressiver Komorbidität eine spezifische psychotherapeutische Intervention entwickelt und wird in einer randomisierten klinischen Studie evaluiert.
Im hausärztlichen Versorgungssektor wurde die train-the-trainer (ttt)-Studie zur Evaluation eines Schulungskonzepts für Hausärzte zur Verbesserung der Lebens- und Versorgungsqualität chronisch herzinsuffizienter Patienten durchgeführt. Hieran konnten wir u.a. zeigen, dass die Leitlinientreue der Hausärzte gemessen an den Verschreibungsraten sehr gut war, jedoch hinsichtlich der Ausdosierung von ACE-Hemmern/ AT1-Blockern und Beta-Blockern durch die Schulung noch weiter optimiert werden konnte (Peters-Klimm et al., 2008, Clin Res Cardiol). In der zweiten Förderphase konnte in der HICMan-Studie ein Praxis-basiertes case management i.R. einer randomisierten kontrollierten Studie entwickelt und über 12 Monate an 200 herzinsuffizienten Patienten erprobt werden (Peters-Klimm et al., 2007, BMC Cardiovasc Disord). Die Datenbanken wurden Mitte 2008 geschlossen, so dass erste Ergebnisse Ende des Jahres zu erwarten sind.
Mehrwert durch Vernetzung
Durch die Implementierung eines Lebensqualitäts- und Depressions-Screenings in den Basisdatensatz des Kompetenznetzes in beiden Förderphasen konnte eine maximale horizontale Vernetzung erreicht werden. Die genannten Kooperationen stellen eine solide Basis für zukünftige Projekte dar. Eine optimale vertikale Vernetzung und damit der Transfer von Expertenwissen in die tägliche Praxis wurden durch den Einbezug der Hausarztpraxen in der ttt- und HICMan-Studie erreicht.

