Diastolische Dysfunktion - Projektbeschreibung
Hintergrund & Zielsetzung
Das Herz funktioniert ähnlich einer mechanischen Pumpe, z.B. einem Blasebalg. Blut wird aus der linken Hauptkammer des Herzens durch Zusammenziehen des Herzmuskels in die Hauptschlagader ausgeworfen. Diese Phase bezeichnet man als Systole. Danach folgt eine Erschlaffung des Herzmuskels, in welcher sich die Hauptkammern erneut mit Blut füllen. Diese Phase bezeichnet man als Diastole. Während bis vor wenigen Jahren angenommen wurde, dass es vor allem in der systolischen Phase zu Funktionsstörungen (Insuffizienz) kommt, weiß man inzwischen, dass mindestens genau so viele Menschen, vor allem aber Frauen im höheren Lebensalter, an einer diastolischen Funktionsstörung, einem Füllungsproblem des Herzmuskels, leiden.
Zwischenergebnisse
Wir haben im Rahmen des Kompetenznetzes Herzinsuffizienz zwei Studien zur diastolischen Herzinsuffizienz durchgeführt. In einer großen deutschlandweiten Kooperation innerhalb des Kompetenznetzes Herzinsuffizienz konnten wir annähernd 2.000 Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren (Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, erhöhte Blutfettwerte) oder einer bekannten Erkrankung der Herzkranzgefäße hinsichtlich ihrer Herzfunktion untersucht. Es zeigte sich, dass es altersabhängig zu einer deutlichen Zunahme der diastolischen Funktionsstörung (Dysfunktion) kommt (Abb. 1).

Bei Patienten älter als 80 Jahre liegt die Prävalenz (Häufigkeit) der diastolischen Dysfunktion bei über 90 Prozent.
In einer Analyse der Schweregrade zeigte sich, dass der überwiegende Anteil der Patienten an einer milden Form der diastolischen Dysfunktion leidet. Der Anteil der Patienten mit einer höhergradigen diastolischen Funktionsstörung liegt nur bei etwa 5 Prozent. Unklar ist aber noch, welchen prognostischen (Vorhersage) Wert diese Befunde für den einzelnen Patienten haben. Deshalb sollen die erhobenen Daten nicht nur dazu dienen, die Diagnose der diastolischen Dysfunktion zu verbessern, sondern auch in Zukunft helfen, Herzerkrankungen im Frühstadium zu erkennen und rechtzeitig einzugreifen, um Komplikationen zu vermeiden (Prävention). Dazu sollen alle Patienten über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren nachverfolgt werden.
Im Rahmen einer kleinen, aber sehr aufwändigen Untersuchung konnten wir die Veränderungen der Druck-/Volumenbeziehung im Herzmuskel mit einer Spezial-Herzkatheteruntersuchung genauer erforschen.

Dabei zeigte sich, dass die Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz (in rot, Abbildung 2) kaum in der Lage sind, bei höherer Herzfrequenz mehr Blut in die Organe zu pumpen. Dies liegt, wie wir zeigen konnten, an einer gestörten und unvollständigen Erschlaffung (Relaxation) des Herzmuskels.

