Neue diagnostische Strategien - Cardiac Imaging und Serum- und Plasmamarker - Projektbeschreibung
Hintergrund
Patienten mit den klinischen Symptomen einer Herzinsuffizienz präsentieren sich meist primär ihrem Hausarzt. Die Differentialdiagnose ist in der Hausarztpraxis jedoch oft schwierig, und eine definitive Diagnosesicherung meist nur mit aufwändigeren Methoden beim Facharzt möglich. In mehreren Studien zeigte sich eine überraschend niedrige diagnostische Trefferquote, wenn als diagnostische Kriterien ausschließlich Symptome und klinische Zeichen zugrunde gelegt wurden. Bisher standen dem Hausarzt keine Möglichkeiten zur systematischen Durchführung von Verfahren wie einer orientierenden Echokardiographie oder der Bestimmung natriuretischer Peptide vor Ort zur Verfügung, welche erlauben, das Vorliegen einer Herzinsuffizienz bzw. einer kardialen Dysfunktion mit größerer Wahrscheinlichkeit nachzuweisen oder auszuschließen.
Zur Untersuchung der Durchführbarkeit und des Nutzens der Anwendung dieser Untersuchungsmethoden im ambulanten Bereich bedarf es zunächst kontrollierter klinischer Studien. Voraussetzung dafür sind gute Organisationsstrukturen, die multizentrische kontrollierte Diagnosestudien durchführbar machen.
Zielsetzung
Ziel des TP6a war es, eine Studie zur Verbesserung der Primärdiagnostik der Herzinsuffizienz im hausärztlichen Bereich durchzuführen. In Kooperation mit dem Universitätsklinikum Essen und dem KKS Leipzig sollte die Durchführbarkeit und der diagnostische Nutzen der Anwendung der Echokardiographie und des Plasmamarkers BNP in der Primärdiagnostik von diagnostisch naiven Patienten mit dem klinisch-anamnestischen Verdacht auf das Vorliegen einer Herzinsuffizienz durch den Hausarzt geprüft werden. Die Studienhypothese waar, dass sowohl BNP, als auch Echo die diagnostische Treffsicherheit verbessern, am meisten jedoch BNP plus Echo. Im Rahmen einer Follow-up Studie wird zusätzlich die prognostische Aussagekraft der erhobenen Messwerte (Biomarker und Echoparameter) geprüft.
Umsetzung
Trainingstudie: Zunächst wurde ein strukturiertes Trainingsprogramm zur Qualifizierung der Hausärzte in der Durchführung und Interpretation des handgehaltenen Echos und eines Point-of-Care Tests für das B-Typ natriuretische Peptid (BNP) entwickelt. Es konnte gezeigt werden, dass es möglich ist, in etwa 5 Stunden die Hausärzte so gut zu schulen, dass sie mit diesen diagnostischen Hilfen unter Berücksichtigung der Anamnese und Klinik in über 80% der gestellten Diagnosen mit der Referenz – dem Kardiologen – übereinstimmen.
Screeningstudie: Im Juni 2008 wurde die Patientenrekrutierung der Hauptstudie abgeschlossen. Es konnten insgesamt 922 Patienten (63,5% Frauen) in die Studie eingeschlossen werden, die Verteilung auf die vier unterschiedlichen Diagnostikarme – Diagnose basiert ausschließlich auf Anamnese und Klinik, auf zusätzliches BNP, auf zusätzliches Echo oder auf zusätzlich beidee Verfahren – war gleichmäßig. 76 Patienten haben aufgrund verschiedener Ursachen die Studie jedoch wieder abgebrochen, so dass aktuell die Daten von 846 Patienten vervollständigt und in die Datenbank eingegeben werden. Nach Abschluss des Querymanagements dürfen wir für Ende 2008 erste Ergebnisse erwarten.
Die erste Nachbefragung der Patienten im Rahmen der Follow-up Untersuchung wird 2 Jahre nach Einschluss des letzten Patienten abgeschlossen sein.Alle Patienten haben nun zugestimmt, alle 2 jahre erneut befragt zu werden. Mit Hilfe dieser Langzeitdaten wird es möglich sein, eine Aussage über die prognostische Relevanz der bei Einschluss in die Studie erhobenen Daten sowie der nachträglich bestimmten Messwerte aus bei Studieneinschluss asserviertem Blut, zu treffen.
Mehrwert durch Vernetzung
Das Kompetenznetz ermöglichte den Aufbau eines langfristig handelnden Studiensekretariates und eines Expertengremiums für diagnostische Studien. Es schaffte einerseits die Voraussetzungen, ausreichende Patientenzahlen zu rekrutieren, um statistische Aussagen zu ermöglichen. Andererseits überprüft es medizinische Methoden standortunabhängig, was zu allgemeinen Handlungsempfehlungen führen kann. Basierend auf diesen Organisationsstrukturen konnte zudem Unterstützung von der Industrie eingeworben werden, was auch zum Erhalt der Netzwerkstrukturen beiträgt. Dies wurde bereits beispielhaft im Rahmen der Handheld-BNP-Studie umgesetzt, in der die Finanzierung der tragbaren Echokardiographiegeräte von der Firma Philips, die der Point-of-Care-Bestimmung von BNP von der Firma Biosite/Inverness und die Bestimmung weiterer Serum- und Plasmamarker sowie Durchführung der Nachbeobachtung der Patienten von der Firma Siemens unterstützt wurden und werden.

