Genetische Ursachen der Herzinsuffizienz - Projektbeschreibung
Hintergrund
Primär vom Herzmuskelgewebe ausgehende Erkrankungen – die Kardiomyopathien – sind nach den Herzkranzgefäßerkrankungen und dem Bluthochdruck in den westlichen Industrienationen die dritthäufigste Ursache der Herzinsuffizienz. Die häufigste Form der Kardiomyopathien ist die dilatative Kardiomyopathie (DCM), bei der es zu einer Erweiterung der Herzhöhlen mit Funktionsverlust kommt. Die zweithäufigste Form ist die sogenannte hypertrophe Kardiomyopathie (HCM), bei welcher es zu einem vermehrten Muskelwachstum des Herzens kommt.
Die enormen Fortschritte in der Identifikation von Krankheitsgenen haben das Verständnis der Kardiomyopathien grundlegend verändert. Bekannt ist, dass Mutationen zu verschiedenen Erscheinungsformen und unterschiedlichem Fortschreiten der Erkrankung führen. Eine Genuntersuchung ist bislang jedoch wissenschaftlichen Fragestellungen vorbehalten und damit auf wenige Patienten bzw. Familien begrenzt. Daher fehlt es an Erfahrungen bei ausreichend vielen präzise genotypisierten Patienten, die Bedeutung einzelner Mutationen für den sehr variablen klinischen Verlauf bei Kardiomyopathien abschätzen zu können.
Zielsetzung
Das TP 5 verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele: Einerseits soll durch eine vernetzte Forschung Patienten mit hypertropher (HCM) und dilatativer Kardiomyopathie (DCM) die Möglichkeit einer molekularen Diagnostik angeboten werden. Dabei steht die Entwicklung und Validierung eines molekulargenetischen Diagnostikverfahrens, das den Anforderungen einer zeitnahen, kostengünstigen und präzisen humangenetischen Untersuchung genügt, im Vordergrund. Andererseits sollen diese Untersuchungen repräsentativ Art und Häufigkeit von Mutationen in den bekannten Krankheitsgenen erfassen sowie ihre Beziehung zur klinischen Ausprägung der Herzinsuffizienz aufzeigen.
Umsetzung
Ausgangspunkt sind Patienten mit HCM und DCM, die bundesweit an führenden kardiologischen Zentren klinisch charakterisiert werden. Bei diesen Patienten wird mittels DNA-Sequenzierung eine systematische Suche nach den zu Grunde liegenden Mutationen durchgeführt. Bei Patienten mit positivem Genbefund wird eine Folgeuntersuchung durchgeführt sowie eine familienorientierte Untersuchung angestrebt. Die im Rahmen der Genuntersuchung generierten Daten werden zur klinischen Prüfung eines Microarray für HCM herangezogen. Bei Erfolg dieses sogenannten HCM-Chips würde erstmals bundesweit eine validierte, einheitliche Methode zur humangenetischen Untersuchung von HCM-Patienten zur Verfügung stehen.
Mehrwert durch Vernetzung
Durch die Vernetzung führender universitärer und nicht universitärer kardiologischer Zentren sowie genetischer Laboratorien wird bundesweit erstmals ein großes Kollektiv an HCM- und DCM-Patienten umfassend klinisch und genetisch charakterisiert. So ist es möglich, Ergebnisse zu Art und Häufigkeit von Mutationen sowie zu deren spezifischer klinischer Ausprägung mit wissenschaftlich hohem Aussagewert zu generieren. Genetische Untersuchungen für HCM und DCM sind noch sehr arbeits- und zeitaufwändig und werden nur von wenigen Laboratorien und nach individuellen Standards angeboten. Die Zusammenarbeit molekulargenetischer Laboratorien im TP 5 ermöglicht die Schaffung eines Diagnostikangebotes für Betroffene nach einheitlichen Kriterien. Dabei bestehen auch Kooperationen zu Arbeitsgruppen des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN). Wesentlich für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes ist die Zusammenarbeit mit anderen Projekten des Kompetenznetzes auf der Basis von Patientenrekrutierung und zentraler Daten- und Probenerfassung. Patientendaten und -proben können nachfolgend für eine Vielzahl von Fragestellungen auch anderen Gruppen im Netz zur Verfügung stehen.

