Epidemiologie der Herzinsuffizienz - Projektbeschreibung
Hintergrund
Die Herzinsuffizienz, einschließlich der systolischen und diastolischen Dysfunktion, ist bisher in epidemiologischen Studien eher selten untersucht worden, da aufwändige echokardiographische Untersuchungen zur Differenzierung der kardialen Funktionsstörungen notwendig sind. Über Verbreitung und Verlauf der Herzinsuffizienz sowie die aktuell in der deutschen Bevölkerung vorherrschenden Determinanten für das Neuauftreten dieser Erkrankung war deshalb bisher wenig bekannt.
Zielsetzung
Ziel des Teilprojektes Epidemiologie ist es, aktuelle und zuverlässige Daten über die Prävalenz und Inzidenz der unterschiedlichen Formen der Herzinsuffizienz in Deutschland zu erheben. Des Weiteren werden auch die Determinanten der Entstehung der Herzinsuffizienz in der Bevölkerung untersucht. Dazu zählen das Geschlecht, Körperfettverteilung, Ernährungs- und Lebensstilfaktoren, die arterielle Hypertonie und die linksventrikuläre Hypertrophie sowie ihre zeitlichen Veränderungen (Zu- bzw. Abnahme).
Umsetzung
Das TP 4 basiert auf der engen Zusammenarbeit von drei großen bevölkerungsbezogenen Prospektivstudien in Deutschland, der KORA-Studie in der Region Augsburg, der SHIP-Studie in Vorpommern und der EPIC-Potsdam-Studie. In diese laufenden Studien wurden Projekte mit spezifischem Bezug zur Herzinsuffizienz eingebettet. In der KORA ECHO-LVH Substudie wurden über 1.000 Personen im Alter zwischen 25 und 74 Jahren nach 10 Jahren erneut hinsichtlich des Auftretens von diastolischer und systolischer Dysfunktion untersucht. In der SHIP-Studie erfolgte die 5-Jahres-Nachuntersuchung von etwa 3.500 Teilnehmern im Alter zwischen 20 und 79 Jahren ebenfalls mit echokardiographischen Methoden. Die EPIC-Potsdam-Studie schließlich umfasst ein 8-Jahres-Follow-up bei über 27.000 Personen, unter denen inzidente tödliche und nichttödliche Fälle von symptomatischer Herzinsuffizienz erfasst wurden.
Die Analysen des umfangreichen Datenmaterials sind im vollen Gange. Im Mittelpunkt des 10-Jahres-Follow-Up der KORA-Studie stehen die echokardiographisch gemessenen Änderungen der kardialen Funktion. Hier fanden sich interessante Beziehungen zur Prähypertonie, zu Gewichtsveränderungen sowie zu prävalentem und inzidentem Diabetes mellitus. Aus der SHIP-Studie, deren echokardiographische Verfahren weniger aufwändig waren (kein Gewebedoppler), werden bald die ersten bevölkerungsbezogene Daten zur 5-Jahres-Inzidenz von kardialer Dysfunktion und Herzinsuffizienz im kardiovaskulär generell höher belasteten ostdeutschen Raum verfügbar sein. Spezielle Analysen der EPIC-Potsdam-Studie, die im Rahmen von eingebetteten Fall-Kontroll-Studien dem Einfluss von körperlicher Bewegung, Ernährung und Biomarkern auf die Entstehung der Herzinsuffizienz nachgehen werden, belegen, dass auch die Ernährung eine bisher wenig beachtete Rolle bei der Entwicklung einer Herzinsuffizienz zu spielen scheint.
Mehrwert durch Vernetzung
Die Stärkung der Kooperation und Netzwerkbildung gelang durch Einbindung moderner Verfahren der echokardiographischen Untersuchungstechnik sowie moderner biometrischer Analyseverfahren. Die Abstimmung des Analyseprozess erfolgte zwischen den drei Kohortenstudien durch Koordinierungssitzungen, Projektaufenthalte und Workshops. Die Mischung aus wissenschaftlicher Expertise im kardiologischen wie im epidemiologischen Bereich ist in dieser Form für Deutschland einzigartig und ermöglicht neuartige Einblicke in den Verlauf und die Determinanten der kardialen Dysfunktion. Diese Aufgabe wird durch Kollaboration mit den TP 7 und TP 15 verstärkt.

