Therapie der Herzschwäche
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Herzschwäche?
Ist die Ursache für die Herzschwäche bekannt, so ist in jedem Fall eine Therapie anzustreben, um möglichst die ursächlichen Faktoren zu beseitigen. In vielen Fällen beruht die Erkrankung auf einer Minderversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff, bedingt durch eine Verengung der Herzkranzgefäße. Diese können mittels eines Ballonkatheters und einer Stent-Implantation oder mittels einer Bypass-Operation behoben oder gebessert werden. Weitere, an der Ursache orientierte Therapiemöglichkeiten sind eine optimale Einstellung eines hohen Blutdruckes (s. Anhang) oder die operative Korrektur von Herzklappenfehlern. Sind alle Möglichkeiten einschließlich der medikamentösen Therapie ausgeschöpft, bleibt bei Patienten mit einer hochgradig verminderten Pumpleistung des Herzens nur noch die Herztransplantation oder der chirurgische Einbau von Herzunterstützungssystemen als letzte Alternative übrig.
Welche Medikamente sollte ich einnehmen?
Ihr behandelnder Arzt wird Ihnen eine individuelle Therapie verordnen. Diese sollte sich an den aktuellen Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften orientieren.
Wichtige Säulen der Herzschwächetherapie sind folgende Medikamente:
ACE-Hemmer hemmen ein körpereigenes Enzym, das Angiotensin II bildet. Angiotensin II verengt die Blutgefäße. Eine Behandlung mit ACE-Hemmern erweitert die Gefäße, senkt den Blutdruck und entlastet das Herz. Eine Nebenwirkung von ACE-Hemmern kann ein Reizhusten sein. In diesem Fall muss der ACE-Hemmer abgesetzt und durch einen AT1-Antagonisten ersetzt werden.
AT1-Antagonisten blockieren die Bindungsstellen des Angiotensin II an den Erfolgsorganen (Herz, Blutgefäße sowie Nieren), verringern dessen Wirkung und führen ähnlich wie ACE-Hemmer zu einer Entlastung des Herzens.
Beta-Blocker schützen das Herz vor den ungünstigen Auswirkungen erhöhter Stresshormonkonzentrationen. Das Herz schlägt dadurch langsamer und effizienter. Beta- Blocker werden zu Beginn in sehr niedrigen Dosen verabreicht. Über acht bis zwölf Wochen wird die Dosis langsam auf die empfohlene Menge gesteigert. Trotzdem kann es zu Beginn der Behandlung zu einer Zunahme der Leistungsschwäche kommen. Nach einigen Monaten übersteigt die Belastbarkeit aber den ursprünglichen Stand deutlich.
Diuretika sind harntreibende Medikamente. Sie führen zu einer erhöhten Harnausscheidung, normalisieren das Blutvolumen und tragen so zu einer Entlastung des Herzmuskels bei. Unter der Behandlung mit Diuretika sollten die Konzentration der Mineralien Natrium und Kalium im Blut sowie die Nierenfunktion regelmäßig kontrolliert werden. Eine Einsparung an Diuretika ist durch eine salzarme Ernährung möglich und sollte unbedingt angestrebt werden.
Aldosteron-Antagonisten – kaliumsparende Diuretika – sind bei Kaliummangel und schweren Formen der Herzschwäche sinnvoll.
Bei fortgeschrittenen Formen der Herzschwäche kann auch die Einnahme von Digitalisglykosiden zur Verbesserung der Symptomatik hilfreich sein. Ob das bei Ihnen der Fall ist, kann Ihnen Ihr Arzt erklären. Digitalisglykoside enthalten den Wirkstoff der Fingerhutpflanze und sind ein bewährtes Medikament zur Behandlung bestimmter Formen der Herzrhythmusstörungen. Es hat sich gezeigt, dass Patienten, die mit einem Digitalisglykosid behandelt wurden, weniger oft ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten. Die wichtigste Nebenwirkung der Digitalisglykoside besteht in der Störung des Herzrhythmus. Das Herz kann unter Umständen unrhythmisch oder zu langsam schlagen. Eine genaue Einhaltung der verordneten Dosierung ist bei diesem Medikament daher besonders wichtig.
Was muss ich bei der Medikamenteneinnahme beachten?
Auch in Phasen in denen Sie sich gut fühlen, muss man mit einem Fortschreiten der Herzschwäche rechnen. Daher ist es wichtig, dass Sie die verordneten Medikamente regelmäßig auch dann einnehmen, wenn Sie keine oder nur geringe Beschwerden haben.
Die Medikamenteneinnahme sollte einen festen Platz in Ihrem Tagesablauf haben. Beachten Sie bei der Medikamenteneinnahme die Hinweise aus dem Beipackzettel, wie: „vor der Mahlzeit einnehmen“, „nach der Mahlzeit einnehmen“.
Tragen Sie Ihre Medikamente in eine Liste ein, in der Sie die Medikamentenbezeichnung, die Wirkstärke, die Anzahl der Tabletten sowie die Tageszeit der Einnahme notieren. Führen Sie eine aktuelle Medikamentenliste bei sich und achten Sie darauf, dass Ihnen die Medikamente nicht ausgehen. Bitten Sie Ihren Arzt rechtzeitig, Ihnen ein neues Rezept auszustellen. Treten unter der Medikamenteneinnahme Nebenwirkungen auf oder verschlechtert sich Ihr Gesundheitszustand, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.
Wie lange sollte ich Medikamente einnehmen?
Bei der chronischen Herzschwäche ist eine lebenslange Medikamenteneinnahme erforderlich.
Was kann ich tun, wenn ich eine Medikamenteneinnahme vergessen habe?
Wenn Sie vergessen haben, Ihre Tabletten einzunehmen, sollten Sie nicht bei der nächsten Medikamenteneinnahme die doppelte Menge einnehmen. Dies gilt insbesondere für Beta-Blocker und Digitalisglykoside. Eine Ausnahme stellen Diuretika dar. Hier kann es sinnvoll sein, in Absprache mit Ihrem Arzt, die Menge der Wassertabletten an die Beschwerden bzw. an das Körpergewichtanzupassen.
Gibt es Nebenwirkungen von Medikamenten, die ein Absetzen dieser erforderlich machen?
Die häufigste Nebenwirkung einer ACE-Hemmer-Therapie ist ein chronischer Reizhusten. Bei weit über 90 Prozent aller Patienten tritt dieser Reizhusten allerdings nicht auf. Wenn es bei einer Therapie mit ACE-Hemmern jedoch dazu kommt, sollte die Substanz ab-gesetzt und durch einen AT1-Antagonisten, der diese Nebenwirkung nicht hat, ersetzt werden.
Die häufigste Nebenwirkung einer Therapie mit Beta-Blockern ist ein zu niedriger Blutdruck und ein zu langsamer Herzschlag. Herzschwache Patienten haben einen niedrigen Blutdruck, der auf keinen Fall dazu Anlass geben sollte, Medikamente abzusetzen. Vorsicht ist nur dann angezeigt, wenn der niedrige Blutdruck mit Symptomen der Mangeldurchblutung des Gehirns wie Schwindel und Schwarzwerden vor den Augen gekoppelt ist. Dasselbe gilt für einen zu langsamen Herzschlag unter einer Beta-Blocker-Therapie. Diese sollte erst reduziert oder abgesetzt werden, wenn durch den langsamen Herzschlag Schwindel und Schwarzwerden vor den Augen bis hin zu Anfällen von Bewußtlosigkeit ausgelöst werden. Die Diuretika (Wassertabletten) führen zu einer Verschiebung der Mineralien im Blut, insbesondere zu einem Verlust von Kalium. Niedrige Kaliumwerte können Auslöser von verschiedenen Herzrhythmusstörungen sein. Es besteht in diesen Fällen die Möglichkeit, die Diuretika durch kaliumsparende Diuretika zu ersetzen oder vermehrt Kalium mit der Nahrung oder in Tablettenform zuzuführen.
Unter Spironolacton tritt relativ häufig eine Vergrößerung der Brust mit unangenehmem Spannungsgefühl auf. Sollte dies der Fall sein, gibt es eine gleichartig wirkende Substanz (Eplerenon), bei der diese Nebenwirkung sehr viel seltener auftritt.
Welche Medikamente darf ich nicht mit Medikamentengegen Herzschwäche kombinieren?
Vorsicht ist angezeigt bei vielen einfachen Schmerzmitteln, den sogenannten Coxinhibitoren, beispielsweise Acetylsalicylsäure (in hohen Dosen), Diclofenac, Ibuprofen, Rofecotrix, Celecoxib. Diese verschlechtern in Kombination mit den notwendigen Herzmedikamenten die Nierenfunktion. Ihr Arzt kann auf andere Rheuma- und Schmerzmittel ausweichen, die keine Interaktion mit Ihren Herztabletten aufweisen.
Haben Vitamine, pflanzliche Stoffe oder homöopathische Mittel eine nachweisliche Wirkung auf die Herzschwäche?
Bei unserer Ernährungsweise liegt kein Vitaminmangel vor. Vitamine haben keine nachweislich positive Wirkung auf die Herzinsuffizienz, genauso wenig wie pflanzliche Stoffe oder homöopathische Mittel. Bei einigen Präparaten sind jedoch negative Interaktionen mit den notwendigen Medikamenten für die Therapie der Herzschwäche nicht ausgeschlossen, so dass Zusatzmittel am besten gänzlich vermieden werden.
Kann die Implantation eines Herzschrittmachers oder eines Defibrillators notwendig werden?
Bei Herzerkrankungen, die durch einen zu langsamen Herzschlag gekennzeichnet sind oder bei denen Pausen auftreten, kann die Implantation eines Herzschrittmachers hilfreich sein. Dieser wird in der Regel in einer örtlichen Narkose unter der Haut eingesetzt und arbeitet, ohne dass der Patient dies direkt spürt.
Bei besonders schweren Formen der Herzrhythmusstörungen kann ein implantierbarer Defibrillator notwendig werden. Sind die Herzrhythmusstörungen so stark, dass keine gerichtete Herzaktion mehr stattfindet und der Patient bewusstlos wird, unterbricht der Defibrillator die Herzrhythmusstörungen durch einen Stromstoß und ermöglicht wieder die Aufnahme einer rhythmischen Herztätigkeit. Defibrillatoren schützen also vor einem plötzlichen Herztod.
Schlägt die linke Herzkammer asynchron, d.h. die verschiedenen muskulären Anteile der Herzkammer pumpen nicht in der notwendigen zeitlich geordneten Reihenfolge, so besteht die Möglichkeit der Resynchronisation. Diese kann man durch den Einsatz eines speziellen Schrittmachers mit einer zusätzlichen Sonde erreichen. Das Verfahren nennt man cardiale Resynchronisiationstherapie (CRT). Der Eingriff erfordert spezielle Kenntnisse in der Schrittmachertherapie und wird an vielen kardiovaskulären Zentren als Routineeingriff durchgeführt.
Wie kann ich die Herzschwächetherapie unterstützen?
Durch die Anpassung der Lebensführung können Sie eine Verschlechterung der Herzschwäche verringern. Beachten Sie bitte folgende Punkte:
Ernährung: Kochsalz führt im Körper zu Flüssigkeitsansammlung. Diese vergrößert das Blutvolumen und erhöht die Herzbelastung. Eine kochsalzarme Ernährung verringert die Gefahr einer Verschlechterung der Herzschwäche und spart darüber hinaus Diuretika ein.
Körpergewicht: Übergewicht stellt eine Belastung für Ihr Herz dar. Sie sollten daher Ihr Normalgewicht anstreben. Eine einfach Methode, das Normalgewicht zu bestimmen erfolgt, indem Sie von Ihrer Körpergröße, gemessen in Zentimetern, die Zahl 100 abziehen. Sie erhalten Ihr Normalgewicht in Kilogramm. Bei Frauen wird empfohlen, von diesem Wert 10 Prozent abzuziehen. Abweichun-gen von 5 Prozent mehr oder weniger sind zulässig. Eine genauere Methode zur Beurteilung Ihres Körpergewichts ist der so genannte „Body-Mass-Index“ (BMI). Multiplizieren Sie dazu Ihre Körpergröße (in Metern) mit sich selbst. Anschließend teilen Sie Ihr Körpergewicht (in Kilogramm) durch dieses Ergebnis. Dadurch dieses Ergebnis. Das Ergebnis ist der Body-Mass-Index. Dieser sollte zwischen 20 und 25 liegen (s. Anhang).
Bewegung: Im Anfangsstadium einer Herzschwäche ist körperliches Training sinnvoll. Mäßig dosiert kann es dem Herzen helfen, seine Leistungsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern. Wählen Sie solche Sportarten bei denen mäßige, kontinuierliche Belastungen auftreten, wie etwa Spazierengehen, Wandern und Radfahren. Vermeiden Sie Sportarten, die mit schnellen Anstrengungen und großen Kraftaufwendungen verbunden sind. Bevor Sie aber eine sportliche Betätigung aufnehmen, sollten Sie dazu Ihren Arzt befragen. Liegt eine fortgeschrittene Form der Herzschwäche mit Luftnot schon bei geringer Belastung vor oder liegt eine gefährliche Vorerkrankung wie ein Herzinfarkt oder eine gefährliche Form der Herzrhythmusstörungen erst kurze Zeit zurück, so sollten Sie sich körperlich schonen. Die Durchführung eines Belastungselektrokardiogramms (BelastungsEKG) hilft, die individuelle Belastungsstufe festzulegen.
Genussmittel: Rauchen schädigt die Gefäße und trägt zur Entstehung von Herzkranzgefäßerkrankungen bei. Falls Sie Raucher sind, sollten Sie das Rauchen unbedingt einstellen. Wenn Ihre Herzschwäche durch eine Alkoholkrankheit entstanden ist, sollten Sie auf Alkohol vollständig verzichten. Frauen sollten nicht mehr als 20 bis 30 g Alkohol pro Tag zu sich nehmen. Bei Männern liegt die Grenze bei 30 bis 40 g/Tag. 30 g Alkohol sind enthalten in:
- 600 ml Bier (5 Vol.-% Alkohol)
- 250 ml Wein (12 Vol.-% Alkohol)
- 150 ml Sherry (20 Vol.-% Alkohol)
- 75 ml Schnaps (40 Vol.-% Alkohol)

